Martin Luther

Werdegang eines Reformators

Vorab: Der Name. Historische Berichte weisen unterschiedliche Nachnamen für die Familie Martin Luthers aus: Luder, Lutter, Lüder, Loder u.a.m. Der Reformator soll dem Namenswirrwarr ein Ende bereitet haben, auch weil er „Luder“ als nicht schmeichelhaft empfand. Um 1517 legte er sich auf die Version „Luther“ fest.

Das stille Kind

Als die Familie Luder am 10. November 1483 in Eisleben Zuwachs bekommt, ahnt niemand, dass dieses Kind die Welt verändern wird. Die Eltern stammen aus wohlhabenden Bauernfamilien. Der Vater erwirbt als Pächter einer Kupfermine Vermögen und steigt in Mansfeld zum Ratsherrn auf. Der kleine Martin hat gute Startbedingungen und erhält eine umfängliche Schulbildung. Dabei führt ihn sein Weg von Mansfeld und Eisleben nach Magdeburg und Eisenach. Chroniken beschreiben ihn als stilles, gehorsames Kind, das fleißig lernt und Begabung zeigt.

 


Geburtshaus von Martin Luther in Eisleben ©Matthias Sasse, IMG Sachsen-Anhalt mbH

Der eifrige Student

Als Siebzehnjähriger schreibt sich Martin an der Erfurter Universität ein, um auf Wunsch des Vaters Jura zu studieren. Das Leben der turbulenten Handelsstadt überwältigt den stillen jungen Mann beinahe. Zwar gelten in den Studentenburse (den studentischen Wohnheimen) strenge Regeln, aber Regelbrüche sind an der Tagesordnung. Dazu gehören Gelage in Gasthäusern, Prügeleien auf den Straßen und Besuche bei den Prostituierten am Domberg. Martin hält sich eher zurück und ist ein Überfliegerstudent. In Rekordzeit absolviert er das Grundstudium der „Sieben Freien Künste“. Er liest die Bibel und ist beeindruckt von der Macht ihrer Worte. 1505 erwirbt er den Grad eines Magisters Artium. Der Weg zum Jurastudium ist nun frei.

Der wahrheitssuchende Mönch

Ist wirklich ein Gewitter schuld, an Martin Luthers Entscheidung Mönch zu werden? Zumindest offeriert der junge Mann diese Erklärung dem Vater. Er habe die Heilige Anna im Sturm um Hilfe angefleht und gelobt, sein Leben Gott zu widmen. Vater Luder ist zornig, dass sich der Sohn seinen Plänen widersetzt. Aber Martin bleibt standhaft und tritt in den Orden der Augustiner ein. Das Leben als Mönch ist härter als erwartet. Er beißt sich durch und wird 1507 im Erfurter Dom zum Priester geweiht. Die Schriften der Humanisten beeinflussen ihn. Getreu ihrer Losung „Ad Fontes!“ (Zu den Quellen) studiert er die griechischen und hebräischen Originaltexte der Bibel. Immer der ewigen Wahrheit auf der Spur.

Der irritierte Theologe 

Seit 1512 ist Martin Luther Doktor der Theologie. Er lehrt an der Universität in Wittenberg. Immer wieder überprüft er seine Überzeugungen anhand von Bibeltexten. In ihnen erkennt er für sich unverrückbare Wahrheiten. Gleichzeitig irritieren ihn gängige Praktiken der Kirche, wie etwa der Ablasshandel.  Wie soll sich ein Christ verhalten? Durch eigenes Handeln der Gnade Gottes würdig werden? Oder schlechtes Tun mit Geld ungetan machen? Seine Antwort ist klar. Er sieht Handlungsbedarf und verfasst 95 Thesen, die er der Legende nach am 31. Oktober 1517 an der Tür der Wittenberger Schlosskirche anschlägt. Was Grundlage einer Disputation sein sollte, löst einen Sturm aus und öffnet der Reformation den Weg.

Der widerspenstige Reformator

Der Buchdruck hilft bei der schnellen Verbreitung von Luthers Thesen. Die Welt teilt sich in Anhänger und Gegner. Rom tobt und verlangt den Widerruf, anderenfalls würde man ihn unter Bann stellen. Doch Luther lässt sich nicht beirren. „Hier stehe ich. Ich kann nicht anders“, soll er gesagt haben. Die päpstliche Bulle mit der Bannandrohung hat er zuvor verbrannt. Sein Leben ist in Gefahr, der Landesfürst versteckt ihn auf der Wartburg vor den Verfolgern. Dort nimmt er sich eines großen Werkes an: Der Übersetzung des Neuen Testaments. Er ahnt nicht, dass sein Text einmal die Grundlage einer einheitlichen deutschen Sprache werden wird. 1522 ist er wieder in Wittenberg. Das Blatt hat sich gewendet - protestantische Kräfte gewinnen an Einfluss.


Lutherbibel aus der Sammlung der Wartburgstiftung ©Florian Trykowski, Thüringer Tourismus GmbH

Der opportune Untertan

In Wittenberg übernimmt Martin die Führung der neuen Bewegung. Aber er ist kein Radikaler. Das macht er deutlich in seiner Kritik an den „Bilderstürmern“. Er stellt klar: Der weltlichen Obrigkeit schuldet man Gehorsam. Die „Freiheit eines Christenmenschen“ liegt für ihn im Inneren, im eigenen Verhältnis zu Gott. Er predigt gegen Gewalt und verurteilt die aufständischen Bauern. Luther ist kein Revolutionär. Er ist seiner Wahrheit im Glauben verpflichtet, ordnet sich aber ein in das bestehende gesellschaftliche System.

Der überraschte Ehemann

Eine Gruppe von Nonnen, die aus dem sächsischen Kloster Marienthron entflohen sind, veranlasst Luther als Heiratsvermittler aufzutreten. Er hat das Klosterleben kritisiert, die Nonnen sind seinen Worten gefolgt, nun fühlt er eine Verantwortung ihnen gegenüber.  Selbst will er nicht in den Ehestand treten, tut es dann aber doch und heiratet Katharina von Bora, wenn auch nur aus Pflichtgefühl. Dann überrascht ihn das Leben. Die Liebe stellt sich ein und mit ihr sechs Kinder. Seine Frau Käthe nennt er „meinen Morgenstern zu Wittenberg, meine Herrin und Gebieterin“. Manchmal auch „Herr Käthe“, in Bewunderung für ihre praktische und umsichtige Art mit der sie den Pfarrhaushalt führt.


Die Schlosskirche in Wittenberg ©Francesco Carovillano, Deutsche Zentrale für Tourismus e.V.

Der alte Kämpfer

Der alternde Luther reist viel, nach Schmalkalden, Weimar, Gotha. Immer wieder ist er krank und leidet Schmerzen. Manchmal glaubt er sterben zu müssen. Er wird härter in seinem Urteil, äußert sich unversöhnlich über die Juden und streitet mit dem Schweizer Reformator Zwingli über Grundsätze. Das Papsttum verurteilt er in Schriften als „vom Teuffel gestiftet“. Er trägt schwer am Tod einer Tochter. 1546 reist er noch einmal nach Eisleben, um einen Streit zu schlichten. Das gelingt, aber es ist seine letzte Tat. Der Reformator stirbt in seinem 63. Lebensjahr in der Stadt, in der er  geboren wurde. Seine letzte Reise führt in die Schlosskirche von Wittenberg, in der er zur Ruhe gebettet wird.

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