Die Bauhäusler
Die Welt neu denken
Walter Gropius. Gründer und Visionär
Der Berliner Architekt war schon 1915 als Nachfolger von Henry van de Velde für den Direktorposten an der Großherzoglich-Sächsischen Hochschule für Bildende Kunst in Weimar vorgesehen. Wegen des Krieges dauerte es aber bis 1919, bis er dort ankam. Zu dem Zeitpunkt war der Großherzog Geschichte und Deutschland eine Republik. Also benannte er die Schule kurzerhand um in „Staatliches Bauhaus“. Der Name war gleichzeitig Programm: Einfach – praktisch – schön sollte das Design sein. Handwerk und Kunst in harmonischer, gleichwertiger Verbindung. Der Beginn einer neuen Zeit. 1925 musste das Bauhaus umziehen nach Dessau, wo Gropius noch bis 1928 den Direktorposten innehatte.
Kirche in Gelmeroda im Weimarer Land. Motiv zahlreicher Werke von Lyonel Feininger ©Tobias Adam, Thüringer Tourismus GmbH
Lyonel Feininger. Radfahrender Maler
Der Amerikaner Lyonel Feininger war Gründungsmitglied des Bauhauses in Weimar. Er leitete die Bauhaus-Druckwerkstätten und war gern im idyllischen Umland der Stadt unterwegs. Dort malte er historische Dorfkerne, Brücken und Kirchen. Bilder, die später weltbekannt wurden. Wer den Spuren des Meisters folgen möchte, kann dies auf dem Feininger-Radweg tun und dort die Motive des Künstlers in natura bewundern. In Dessau wohnte Feininger mit seiner Familie in einem der berühmten Meisterhäuser. „Es ist zu schön hier!“ sagte er dazu 1926. Und meinte man könne auf dem langen Balkon des Südzimmers „in der Frühsonne spazieren gehen, wie auf dem Promenadendeck eines Ozeandampfers.
Kandinsky und Klee. Freunde und Konkurrenten
Wassily Kandinsky und Paul Klee sind Pioniere der abstrakten Kunst. Ihre Lebensläufe überschneiden sich, und das nicht nur in ihrer Zeit als Bauhausmeister. In den Dessauer Meisterhäusern wohnten sie Wand an Wand. Oft werden sie in einem Atemzug genannt. Dabei lagen sie künstlerisch durchaus auseinander und stritten immer wieder über ihre Überzeugungen. Bekannt sind Klees geometrische Strukturen, Kandinskys Bildsprache war dagegen lockerer. Manchmal bedienten sie sich gleicher Motive und setzten diese aber unterschiedlich um. Es entstanden spannende Kunstdialoge daraus.
Oskar Schlemmer. Der Schöpfer des Logos
Das berühmte Bauhaus-Logo von 1922 stammt von Oskar Schlemmer. Es symbolisiert die Kernprinzipien des Bauhauses: Einfachheit, Funktionalität und Harmonie von Form und Funktion. Schlemmer war ein vielseitiger Künstler und versuchte sich in verschiedenen Metiers, als Maler, Bildhauer, Bühnen- und Kostümbilder. In Dessau leitete er die Bauhausbühne und schuf seine „Bauhaustänze“. Berühmt ist sein „Triadisches Ballett“, das 1922 in Stuttgart uraufgeführt wurde. Es war dann 1923 Teil der ersten Internationalen Bauhausausstellung in Weimar. Nach einer Neuauflage des Balletts mit Musik von Paul Hindemith, wurde das Ballett an vielen deutschen Bühnen aufgeführt und machte Schlemmer auch in Paris und New York bekannt.
Schiffbausspiel von Alma Siedhoff-Buscher aus dem Jahr 1923 ©Christiane Würtenberger/CMR, Thüringer Tourismus GmbH
Alma Siedhoff-Buscher. Talentierte Formgestalterin
Alma Buscher war eine hochtalentierte Formgestalterin, die sich zeitweilig in einer Männerdomäne durchsetzen konnte. Sie schaffte es allen Widerständen zum Trotz in das Fach der Formgestaltung. Für das Haus Am Horn in Weimar, trug sie mit ihren wegweisenden Formmöbeln bei zur Ausgestaltung des Kinderzimmers. Ihre Entwürfe waren wegweisend und hatten großes wirtschaftliches Potential. Trotzdem weigert sich Gropius nach Buschers Eheschließung und der Geburt ihres ersten Kindes sie weiter zu unterstützen. Sie verließ das Bauhaus 1927 und musste ihren Beruf als Designerin aufgeben. 1944 starb sie einem Bombenangriff. Zu Ihren bekanntesten Werken gehört das Kleine Schiffbauspiel, das auf der ganzen Welt bekannt ist und noch heute hergestellt wird.
Obwohl sich 1919 tatsächlich ungefähr gleich viele Frauen und Männer am Bauhaus in Weimar einschrieben, wurden die wenigsten der Frauen berühmt. Wie kam das? Der Grund war nicht mangelndes Talent, sondern die gesellschaftlichen Konventionen. Sogar die eigenen männlichen Bauhauskollegen benachteiligten sie. Man wollte sie in Fächer drängen, die „dem weiblichen Wesen“ angemessen schienen, wie etwa das Weben. Oder man sprach ihnen die Fähigkeit des dreidimensionalen Sehens ab, weswegen sie für formgestaltende Fächer ungeeignet seien. Trotzdem haben sich einige der Bauhaus-Frauen durchgesetzt. Neben Alma Siedhoff-Buscher gehören zu Ihnen Gunta Stölzl, die die Weber-Werkstatt leitete und für das Bauhaus wichtige gewinnbringende Aufträge übernahm. Zu nennen ist auch Marianne Brandt, deren Teekanne heute ein echter Designklassiker ist. Sie entwarf auch die Lampen für das Bauhaus Dessau.
Headerbild: Bauhausagenten auf dem Theaterplatz in Weimar ©Gregor Lengler, Thüringer Tourismus GmbH
