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Schmalkalden

Luther und der Schmalkaldische Bund

Einmal in seinem Leben, besuchte der große Reformator Martin Luther die malerische Fachwerkstadt Schmalkalden. Es sollte eine schmerzhafte Reise sein, dennoch eine, die die Geschichte der Reformation ausschlaggebend geprägt hat.

Luther kam nach Schmalkalden, um an einer der größten und prächtigsten aller Bundestagungen des Schmalkaldischen Bundes teilzunehmen. Diese führte zu weitreichenden Veränderungen und ist noch heute sehr bedeutsam für die kirchliche Praxis. Der Schmalkaldische Bund wurde 1530/31 auf Initiative vom Sächsischen Kurfürsten und Landgraf Philipp von Hessen, von verschiedenen Landesfürsten gegründet. Die Gründungsmitglieder waren davon überzeugt, dass nur ein Bündnis aller Protestanten Schutz gegen den Kaiser in Religionsfragen bieten kann.

Als „glanzvollster Fürstentag“ unter den Bundesversammlungen gilt der große Konvent im Jahr 1537. Mehr als 1.000 Menschen besuchten die damals 3.500 Einwohner zählende Stadt. Darunter 16 protestantische Fürsten, sechs Grafen, Gesandte des Kaisers, des Papstes, des französischen und des dänischen Königs, Vertreter von 28 Reichs- und Hansestädten sowie 42 evangelische Theologen, versammelte sich im Rathaus von Schmalkalden. 

Blick über den Markt auf Rathaus und Stadtkirche ©André Nestler

Die Tagung des Schmalkaldischen Bundes hat die Kirchenspaltung in Mitteleuropa manifestiert. Philipp Melanchthon schreibt am 1. März 1537 an einen befreundeten Tübinger Theologen nachdem der Schmalkaldische Bund das vom Papst einberufene Konzil zu Mantua (welches die Glaubenskonflikte beheben sollte) geschlossen abgelehnt hatte: „Nun wird die Spaltung der Kirche verewigt mit all ihren Folgen“ 

Die Glaubensbekenntnisse Martin Luthers, die zu Zeiten der Bundestagung bereits heiß diskutiert wurden, gingen später als die Schmalkaldischen Artikel in die Geschichte ein. Im Jahr 1580 finden diese Einzug in das Konkordienbuch. Seither und bis heute gehören sie zur Glaubensgrundlage der lutherischen Kirchen weltweit. Luther selbst sagt einmal über sein Werk: „Das sind die Artikel auf denen ich bestehen muss und bestehen will bis in meinen Tod, so Gott will. Und weiß ich daran nichts zu ändern oder nachzugeben.“ 

 

Schon gewusst?
Luther weilte während des Schmalkaldischen Bundes als Gast des hessischen Rentmeisters Balthasar Wilhelm im heutigen Lutherhaus. Geplagt jedoch mit einem sehr schmerzhaften Steinleiden, war der große Reformator ans Krankenbett gefesselt. Regelmäßig wurde der Erkrankte dort von den führenden Fürsten des Protestantismus am Krankenbett besucht. Das schöne Fachwerkhaus mit seiner markanten Giebelseite, direkt am Lutherplatz, dient heute als exklusive Ferienwohnung mit besonderem Flair. Auch Veranstaltungen wie „Luthers Tischreden“ mit Essen an Luthers Tafel und einem gewandeten Stadtführer der Schmalkalder Stadtführergilde werden heute in diesem geschichtsträchtigen Haus angeboten.

 

Luther verlies die Tagung frühzeitig da er von großem Schmerz geplagt sich dem Tode nah fühlte und so beschloss in seiner Heimat Wittenberg zu sterben. Doch es sollte anders kommen. Auf dem Weg durch den Thüringer Wald, mit all seinen holprigen und steinigen Wegen, lösten sich Luthers Leidenssteine und dieser fand endlich Erlösung von all den Schmerzen. Heute erinnert der Lutherweg von Schmalkalden nach Tambach-Dietharz an diese unvergessliche Geschichte.    

Abschließend bleibt zu sagen, ohne den Schmalkaldischen Bund, wäre Luther eine Fußnote in der Geschichte geblieben, denn es war genau dieses Bündnis, das der Reformation überhaupt ermöglichte, die eigene Kindheit zu überleben und Wurzeln schlagen zu können. 

 

Lutherstätten im Überblick:

- Das aus einer Steinernen Kemenate hervorgegangene Rathaus. Es war Gründungsstätte, und zwischen 1530 und 1543 wichtigste Beratungsstätte des Schmalkaldischen Bundes. Auf die Ereignisse im 16. Jahrhundert verweisen in der Rathausvorhalle die Wappen der Mitgliedstädte des Bundes und die von Wieland Förster 1996 geschaffene Lutherbüste.

- Die spätgotische Stadtkirche St. Georg. Im Februar/März 1537 predigten die namhaftesten protestantischen Theologen jener Zeit in der Kirche, darunter zweimal Martin Luther. Die als Lutherstübchen bezeichnete ehemalige Paramentenkammer beherbergt ein kleines Kirchenmuseum.

- Das Lutherhaus. In dem beeindruckenden Fachwerkbau wohnte Martin Luther während seines Aufenthaltes in der Stadt. Weil er krank war, hat Luther wichtige Leute hier empfangen und hier auch gepredigt. Am Lutherhaus beginnt ein nach Tambach-Dietharz führender Martin-Luther-Wanderweg;

- Der Hessenhof. Während der Tagung des Schmalkaldischen Bundes von 1537 war der „Hessenhof“ Verhandlungsstätte der protestantischen Theologen.

- Die Wilhelmsburg - ein Juwel unter den Renaissance-Schlössern Deutschlands. Die Dauerausstellung des Schlossmuseums widmet sich auch der Reformation, Martin Luther und dem Schmalkaldischen Bund.

- Die Rosenapotheke. Zunächst von der Reitenden Post und ab 1664 als Apotheke genutzt, wohnte hier im Frühjahr 1540 Philipp Melanchton. Zur Tagung des Schmalkaldischen Bundes im Jahr 1537 fanden hier die Nürnberger Gesandten Unterkunft.

 

Header: ©Dominik Ketz, Regionalverbund Thüringer Wald e.V.

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