Von Freiheit und Gerechtigkeit
Der Bauernkrieg von 1525
Der Reformator Martin Luther sah Freiheit eher als geistiges Gut an. Dem Prediger Thomas Müntzer ging es da um mehr. Er solidarisierte sich mit den aufständischen Bauern 1524 und wurde schließlich zu einer führenden Figur des Deutschen Bauernkrieges. Die dramatischen Ereignisse kulminierten am 15. Mai 1525 in einer großen Schlacht bei Frankenhausen. Etwa 8000 Bauern standen mit Sensen und Dreschflegeln bewaffnet einem gut organisierten
Heer von Landsknechten gegenüber. Sie verloren die Schlacht und die allermeisten auch ihr Leben. So auch Müntzer, der nach Gefangennahme und Folter vierzehn Tage nach der Schlacht vor den Toren Mühlhausens enthauptet wurde.
Schauplätze der Geschichte
Wo kam dieser Thomas Müntzer eigentlich her? Geboren wurde er um 1489 in Stolberg im Harz. Das Städtchen ist geprägt von Fachwerkbauten und dem über allem thronenden Schloss Stolberg. Hier erblickte 1506 übrigens auch die Ahnfrau der Oranier das Licht der Welt: Juliana von Stolberg und Wernigerode. Sie ist die Mutter von Wilhelm von Oranien. Müntzers Geburtshaus in der Niedergasse fiel 1851 einem Brand zum Opfer. Eine Gedenktafel an der Fassade des Nachfolgebaus erinnert an den ehemaligen Bauernführer und Theologen.
Zu Müntzers Lebensstationen gehörte auch Allstedt in der Region Mansfeld-Südharz. Im Jahr 1524 hielt er hier seine berühmte „Fürstenpredigt“, in der er die Willkür der Obrigkeit anprangerte und allen Menschen ein Widerstandsrecht zusprach. Die multimediale Ausstellung „Sein und Schein“ auf Schloss Allstedt lässt die historischen Ereignisse lebendig werden. Für Goethe-Fans interessant: Der Dichter war oft in Allstedt zu Staatsgeschäften und schrieb hier einige Akte seiner „Iphigenie“.
Die ehemalige Freie Reichsstadt Mühlhausen war Müntzers letzte Wirkungsstätte. Die Altstadt ist geprägt von imposanten Kirchbauten, darunter die Kirche St. Marien, wo Müntzer seine letzte Pfarrstelle hatte. Heute ist die Kirche Museum mit Ausstellungen zu Thomas Müntzer, mittelalterlicher Kunst und der Baugeschichte des Gotteshauses. Auch die Kornmarktkirche wird museal genutzt. Hier befindet sich das Bauernkriegsmuseum mit der Dauerausstellung „Luthers ungeliebte Brüder“. Zu den besonderen Ausstellungsstücken zählt eine originale Regenbogenfahne der aufständischen Bauern. In der Kirche Divi Blasii war übrigens der junge Sebastian Bach als Organist tätig.
Blick ins frühe 16. Jahrhundert
Frankenhausen war der Ort der entscheidenden Schlacht im Mai 1525. Auf dem ehemaligen „Schlachtenberg“ steht heute das Panoramamuseum Bad Frankenhausen. Zentrales Ausstellungsstück ist ein monumentales 360-Grad-Gemälde von Werner Tübke, 14 Meter hoch und 123 Meter im Umfang. Wie ein gigantisches Wimmelbild thematisiert es, was Menschen Anfang des 16. Jahrhunderts bewegte. Über 3.000 Figuren und 75 Schlüsselszene gibt es zu entdecken, und natürlich spielen der Bauernkrieg und Thomas Müntzer dabei eine Rolle.
